Varroasituation Sommer-Herbst 2021

Ein Bericht vom Gesundheitsreferenten Helmut Graf

Helmut Graf

Helmut Graf

Auf Grund der sehr kühlen Witterung im Frühjahr konnte sich die Varroamilbe nicht so stark entwickeln wie in den vergangenen Jahren. Mit einer gezielten Brutpause im Sommer konnte der Varroabefall sehr gut reduziert werden, als zusätzliche Bekämpfung auf den Bienen diente eine Fangwabe mit offener Brut, die nach 7 bis 10 Tagen aus den Völkern entnommen wurde. Bei einem Imker, der mit der Behandlung zu spät begonnen hatte, musste ich Anzeichen eines erhöhten Virenbefalls (Sackbrut) feststellen. Mit einer Langzeitbehandlung mit 85%iger AS konnte noch das Schlimmste verhindert werden. Wie stark diese Völker in den Winter gehen werde ich bei der Restentmilbung im November/Dezember sehen, da hier schon mit sehr vielen geschädigten Winterbienen gerechnet werden muss. Im Oktober musste bereits bei einigen wenigen Völkern eine Nachbehandlung mit dem Behandlungsmittel Varromed erfolgen, da hier die Schadschwelle von 2 Varroen pro Tag natürlicher Abfall erreicht oder schon überschritten wurde. Besonders Randvölker in einer Reihe von Bienenvölkern sind hier besonders gefährdet. Daher rate ich jeder Imkerin und jedem Imker im September und Oktober im 14tägigen Rhythmus den natürlichen Varroaabfall mittels eingeölter Windel zu kontrollieren. Nur wer immer weiß wie es um seine Bienenvölker steht, der ist vor bösen Überraschungen gefeit.

Ein übersehener Ausreißer am Bienenstand kann großen Schaden anrichten, die Ursache bei einem größeren Völkerzusammenbruch liegt fast immer am eigenen Stand. Besonders Völker, bei denen man schon im Sommer Bienen ohne voll ausgebildete Flügel vorfindet oder zitternde Bienen mit kurzem Hinterleib, eine Beißerei vor dem Flugloch und vermehrt starker Totenfall vor dem Flugloch weisen auf eine starke Virenbelastung hin. Nur bei einem starken Bienenvolk ist noch eine Sanierung möglich. Es ist eine sofortige totale Brutentnahme und ein Abkehren der Bienen auf ausgebaute Jungfernwaben zielführend. Bei solchen Völkern sind die Bienen schon gesundheitlich stark angeschlagen und es fehlen meistens die erforderlichen Ammenbienen, um noch ausreichend Winterbienen aufzuziehen.  Wenn im Sommer (Juni-Juli), die Schadschwelle von 25 Varroen pro Tag übersehen wurde und keine Varroa-Bekämpfung erfolgt ist, so werden im August bereits mehr Varroamilben im Volk sein als offene Brutzellen. Somit dringt nun in jede Brutzelle mindestens eine Varroa ein, mitunter sind es auch zwei. Solche Bienen sind dann meistens auch nicht mehr lebensfähig.

Um die Übersicht auf der Windel nicht zu verlieren, sollte dieses mit einem Rasterfeld versehen sein und spätestens nach 3 bis 4 Tagen auch ausgelesen und auf der Stockkarte eingetragen werden.

Jede unnötige Behandlung gegen die Varroa verringert auch die Anzahl der Bienen in den Völkern bis zu 10%, besonders Träufel-Methoden sollten nur einmal pro Bienengeneration erfolgen. Jede weitere kann einen massiven Bienenverlust bewirken und hat dabei nur eine 30%ige Wirkung, wenn die Bienen nur locker zwischen den Wabengassen sitzen (großer Bedarf an Behandlungsmitteln und sehr geringer Wirkungsgrad).  Den größten Wirkungsgrad erzielt man bei der Restentmilbung im November und Dezember, wenn die Völker brutfrei sind und schon eine Wintertraube gebildet haben. Hier kann die Temperatur ruhig schon im niederen Minusbereich liegen.

Bei der Vergasung von Oxalsäure in den Bienenvölkern sollte die Temperatur zwischen 2 bis 5 Grad Plus betragen, die Bienen sollten noch etwas lockerer sitzen, damit der Oxalsäure-Nebel auch bis zu den einzelnen Bienen gelangen kann. Diese Methode der Behandlung sollte nicht von jedem Imker selbst durchgeführt werden, da hier schon eine gesundheitliche Gefahr für den Anwender besteht!

Die Bienenwarte in ihrem Verein sind für diese Aufgaben geschult und haben dazu auch meistens die richtigen Geräte zur Hand. Wir sollten mehr die Werte der Schadschwellen beachten und nur dann behandeln, wenn es erforderlich ist. Wenn der tägliche natürliche Varroa-Abfall unter 0,2 pro Tag liegt könnte auf eine Restentmilbung verzichtet werden.

Empfehlung für die Zukunft

In der Vergangenheit wurde mit der vermehrten Anwendung von allen möglichen und unmöglichen Behandlungsmitteln eine Züchtung von sehr widerstandsfähigen Varroen erreicht, gegen viele Behandlungsmittel hat die Varroa schon Resistenzen aufgebaut, nur die stärksten Milben haben überlebt und bringen so auch sehr robuste Nachkommen zur Welt.

Daher sollte es für jede pflichtbewusste Imkerin und jeden pflichtbewussten Imker das Ziel sein, in Zukunft auf den Einsatz von Säureprodukten nur im äußersten Notfall zurückzugreifen und lieber mit einer gezielten Brutpause über 24 Tage eine erfolgreiche Bekämpfung der Varroa zu erreichen. Aber auch der Einsatz von Hyperthermie-Geräten, die bei einigen Vereinen im Land zur Verfügung stehen, sollte vermehrt genutzt werden. Besonders im Zuge der Ablegerbildung könnten die entnommenen Brutwaben aus den Wabentaschen einer sinnvollen Wiederverwertung zugeführt werden. Diese Bienen sind von der Varroa noch nicht geschädigt, wenn die Wabe am 12. Tag nach dem Einbringen in die Wabentasche entnommen wurde und sofort eine Wärmebehandlung erhält.

In Forschungsprojekten von sehr angesehenen Biologen und Imkern wird eine Brutpause von ca.3 bis 4 Wochen empfohlen, so wie es in einem natürlichen Jahresablauf der Bienenvölker üblich ist.

Hier wird das Schwärmen der Bienen als Grundlage für das Überleben der Bienenvölker auch mit der Varroa aufgezeigt. Jedes Schwärmen hat auch eine Brutpause zur Folge, bei dem zurückgebliebenen Bienenvolk. Bis die junge Königin schlüpft und begattet ist vergehen mindestens 3 Wochen. In dieser Zeit schlüpft sämtliche Brut im Volk.  Es fallen täglich einige Varroa ab, die sonst in die offene Brut wandern würden, somit erfolgt auch für die Varroa ein Vermehrungsstopp. Aber auch die Virenvermehrung wird hiermit aufgehalten, die sonst zu einem späteren Zeitpunkt die Bienenvölker zusammenbrechen lassen kann. Fortschrittliche Imkerinnen und Imker lassen das Bienenvolk nicht im Mai oder Juni schwärmen, sondern lenken diesen Brutstopp in den Juli, ca. 10 bis 14 Tage vor die Honigernte. Mit dem Brutstopp stehen mehr Jungbienen zur Verarbeitung des eingetragenen Nektars zur Verfügung und es wird weniger Vorrat für die Fütterung der Brut aufgewendet.

Die Kontrolle des Varroaabfalls in den Bienenvölkern sollte für jeden Imker im September und Oktober die wichtigste Aufgabe werden, aber auch das Flugloch sollte ab diesem Zeitpunkt eingeengt und der Volksstärke angepasst sein. Die Wespen können in diesen Monaten zur größten Plage werden, auch hier sind die Randvölker und die schwächsten Völker der größten Gefahr ausgesetzt.

WL Helmut Graf