Bemerkungen zum Vortrag von Torben Schiffer

Sehr geehrte Imkerinnen und Imker und solche, die es werden wollen!

Der Grundgedanke zurück zur Natur klingt gut und ist es bei angewendeter Vernunft auch. So waren beim Vortrag auch einige Gedanken richtig und gut. Auch gibt es viele Naturliebhaber, die gerne Bienen im Garten oder Balkon halten wollen um der Umwelt Gutes zu tun.  In der Theorie ist das toll. Leider in der Praxis nicht. So darf ich den im deutschen Sprachraum bekannten und anerkannten Bienenwissenschaftler Dr. Klaus Wallner,  Universität Hohenheim, Landesanstalt für Bienenkunde, Stuttgart, zitieren, der auf meine Anfrage zu den von Schiffer beworbenen Klotzbeuten,  „ Schiffer Tree“  genannt, Folgendes mitgeteilt hat:

„Uns gegenüber ist die Klotzbeute nie vorgestellt worden, wir haben aber reichlich Probleme mit der „Bienenkiste“, die ja auf dem ähnlichen Grundprinzip des Stabilbaus arbeitet und in der überall die Völker eingehen. Die Imkeranfänger, die man auf solche Systeme setzt scheitern eigentlich regelmäßig. Klotzbeute, Bienenkorb oder Bienenkiste kann von Imkerprofis spaßeshalber verwendet werden, ein  Anfänger ist überfordert.
Klotzbeuten können eigentlich heute nur für Showeffekte eingesetzt werden. Wir propagieren so etwas nicht und hören eigentlich auch nicht, dass es hier nennenswerte Bewegungen in diese Richtung geben würde.“

Die im Vorarlberger Imkerverband zuständigen Fachleute haben die nachstehende Stellungnahme ausgearbeitet. Sie ist wegen vielfacher Aufforderung aus der Imkerschaft entstanden.

Trotz Allem soll dem Leiter der Arbeitsgruppe „Zukunft der Bienen in Vorarlberg“ Vinzenz Lässer, in deren Rahmen der Vortrag organisiert wurde, der Dank für die Organisation ausgesprochen werden.

Mit freundlichen Grüßen:  Egon Gmeiner

Eine Entgegnung des Vorarlberger Imkerverbandes zum Beitrag über den Vortrag von Torben Schiffer am 3. Mai in Hohenems.

In dem Vortrag kamen sehr viele praktische Behandlungsmethoden der Imkerschaft in ein schiefes Licht! Sicherlich wurden auch Fehler in der Vergangenheit begangen, aber nicht alles was hier an den Pranger gestellt wurde ist auch von den Imkern verursacht worden. Gerade ein Bieneninstitut in Deutschland hat vor ca. 40 Jahren den Parasit Varroa Destruktor nach Europa eingeschleppt, aber auch andere gefährliche Parasiten sind mittlerweile in Europa im Vormarsch, wie der kleine Beutenkäfer in Süditalien oder die Vespa Velutina, eine Hornisse die Jagd auf unsere Honigbiene macht und bereits in großen Bereichen von Frankreich, Spanien und Italien angetroffen wird.

Zurück zum Vortrag, den Ertrag von 300kg, welchen ein Bienenvolk benötigen soll, ist Utopie. 40 bis 50 kg sind realistischer, der Honigertrag in unserer Region beträgt ca. 10 bis 15 kg Honig, welchen der Imker entnehmen kann. Wenn er auch andere Trachtgebiete anwandert, so darf mit etwas mehr Ertrag gerechnet werden. Die jetzigen Bienenvölker sind laut Schiffer zu groß und es werde ihnen ein zu großer Raum angeboten, ein Raum von 40 Volumenliter genüge. Der Ertrag von 2 bis 4 kg Honig sei genug, man fordere von den Bienen eine zu große Leistung. Die verwendeten Bienenbehausungen sind seiner Meinung nach nicht bienengerecht, auch die Zucht in der Imkerei wurde sehr kritisiert!  Gerade hier haben die Imker sehr viel geleistet, besonderes die Sanftmut der Bienen hat sich in den letzten 30 Jahren zum Positiven verändert. Wir hätten heute keinen so großen Zulauf an neuen interessierten Jungimkern, wenn die Biene immer noch so stechen würde, wie vor 40 Jahren.

Die vorgezeigte neue Bienenbehausung ist eine Klotzbeute oder Strohkorb aus dem 18. Jahrhundert. Ich glaube jedoch nicht, dass wir soweit zurückgehen müssen, um unsere Bienen zu retten!   Es wurde auch viel über die natürliche Vermehrung und die Abwehrkräfte der Honigbiene, den Schwarmtrieb und das Eintragen von Kittharz (Propolis) gesprochen. Fehlen würden jedoch die hohlen Bäume im Wald und das Nahrungsangebot in unserer jetzigen Kulturlandschaft.

Es sei nicht nötig in die Bienenvölker einzugreifen, denn diese kämen mit der Varroa selbst klar. Dazu braucht es aber noch viele Jahrzehnte, um das zu erreichen, heute überlebt ein abgeflogenes Bienenvolk im besten Fall einen Winter! Vor diesem Experiment möchte ich unsere Neueinsteiger und Jungimker warnen, es hört sich sehr verlockend an. Bei dieser Bienenbetreuung kann weder dem Bienenvolk geholfen werden noch eine Kontrolle bei Bedarf erfolgen. Für manche ist es schön, den Bienen am Flugloch zuzuschauen, aber mit dem würde ich mich nicht zufriedengeben! Ich möchte sehen was im Volk vorgeht, wenn es nötig ist auch helfend eingreifen. Die Entwicklung eines Bienenvolkes im Frühjahr ist sehr faszinierend, wieviel Pollen und Nektar in sehr kurzer Zeit eingetragen werden. Auch die rasche Vermehrung des Bienenvolkes von 10.000 Bienen im Frühjahr bis zu einem stattlichen Volk im Juni von 50.000 kann sich sehen lassen.

Wir Imker in Vorarlberg, lieben unser Hobby und sind keinesfalls Massentierhalter. Wir versuchen die Blütenbestäubung in unserem Land aufrecht zu erhalten und die Neueinsteiger werden dazu in den angebotenen Kursen bestmöglich vorbereitet. Aber auch die Imkervereine im Ort freuen sich auf Zuwachs und helfen gerne bei Bedarf. Den älteren Imker im Land wünsche ich bei der Bekämpfung der Varroa Durchhaltevermögen, es kommen wieder bessere Zeiten! In diesem Sinne wünscht der Vorarlberger Imkerverband allen Imkern volle Honigtöpfe und gesunde Honigbienen!

VIV Präsident Dr. Egon Gmeiner, VIV Gesundheitsreferent Helmut Graf e.h., Zuchtreferent Gerhard Mohr,

Obm. BZV Wolfurt-Kennelbach – Buch Hans Fetz, Obm. BZV Schwarzenberg u. BSV Ambros Metzler;